Die nächste Landesregierung steht vor der Herausforderung, den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg auf Kurs zu halten. Dafür müssen in der Wirtschaftspolitik die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Das betrifft vor allem Reformen, für die das Land eine eigene Zuständigkeit hat. Genauso wichtig ist die Priorisierung staatlichen Handelns. Öffentliche Ressourcen sollten vorrangig dort zum Einsatz kommen, wo sie Wirtschaftswachstum fördern. Gleichzeitig gilt es, das politische Gewicht des Landes für eine Wachstumspolitik in Berlin und Brüssel in die Waagschale zu werfen.
Hier einige konkrete Vorschläge des BDWi:
Automobilindustrie stärken
Die Förderung von Fahrzeugen mit Elektroantrieb findet sich in nahezu allen Wahlprogrammen. Wer aber ausschließlich auf diese Fahrzeuge setzt, erweist der Automobilindustrie einen Bärendienst. Denn Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind nicht nur auf den Straßen deutlich in der Überzahl. Sie sind auch immer noch für einen großen Teil der Erträge der Automobilhersteller und Zulieferer verantwortlich.
Ein technologieoffener Ansatz im Verkehrssektor ist elementar. Neben der Elektromobilität müssen auch CO₂-arme erneuerbare Kraftstoffe als wirksamer Beitrag zum Klimaschutz anerkannt und regulatorisch ermöglicht werden. Der im Oktober 2025 gefasste Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz, CO₂-Einsparungen ganzheitlich zu betrachten und klimafreundliche Kraftstoffe stärker zu berücksichtigen, unterstreicht die Notwendigkeit dieses Ansatzes.
Baden-Württemberg als führender Automobil- und Zulieferstandort sollte sich auf Bundes- und EU-Ebene für realistische Rahmenbedingungen einsetzen, die den Einsatz und die Weiterentwicklung erneuerbarer flüssiger und gasförmiger Kraftstoffe fördern.
Darum macht sich der BDWi weiterhin für eine vollständige Abschaffung des Verbrennerverbotes und für die Beseitigung aller Hemmnisse beim Marktzugang von nachhaltigen flüssigen und gasförmigen Kraftstoffen stark.
Der BDWi fordert zudem, die internationale Zusammenarbeit beim Aufbau von Produktionskapazitäten für erneuerbare Kraftstoffe zu stärken. Dazu gehören auch strategische Partnerschaften und Joint Ventures mit geeigneten Auslandsmärkten. Baden-Württemberg sollte sich dafür einsetzen, dass solche Kooperationen verlässliche Investitionsbedingungen erhalten und zur Sicherung von Wertschöpfung und Beschäftigung beitragen.
Bürokratie abbauen
Nichts sorgt bei Unternehmern für so viel Frust wie Bürokratie. Nun ist die Landesebene nur für einen kleinen Teil der Bürokratie verantwortlich. Ein Großteil geht auf europäische Regulierung oder Regulierung des Bundes zurück.
Der BDWi fordert, die Nutzung der Spielräume zum Abbau von Bürokratie auf Landesebene zu nutzen. In Hinblick auf Bürokratie, die durch Regulierung auf anderen Ebenen verursacht wird, fordert der BDWi eine bürokratiekritische Positionierung der Landesregierung.
Bürokratische Hemmnisse gefährden die Wachstums- und Investitionskraft gerade mittelständischer und kleinerer Unternehmen. Überbordende Meldepflichten, langwierige Genehmigungsverfahren und umfassende Dokumentationsanforderungen binden wertvolle Ressourcen, verzögern dringend notwendige Investitionen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik muss handeln, um den Mittelstand von unnötiger Bürokratie zu entlasten und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern.
Fachkräfteeinwanderung erleichtern
Die Arbeitslosigkeit steigt und dennoch kämpfen viele Unternehmen immer noch mit Fachkräftemangel. So wird mögliches Wirtschaftswachstum durch Fachkräftemangel ausgebremst. Besonders stark betroffen ist die Altenpflege. Aufgrund des Fachkräftemangels ist es vielerorts nicht möglich, die Nachfrage vollständig zu bedienen. Auch weitere Branchen wie der Energiesektor sind stark betroffen: frühe Schließungen von Betrieben oder der zunehmende Einsatz von Smart Stores sind die Reaktion.
Der BDWi fordert die Erleichterung der Anerkennung von Abschlüssen qualifizierter Zuwanderer und die Priorisierung des Themas durch die nächste Regierung.
Pflegeversorgung sichern
Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg warten auf ausstehende Zahlungen der Kommunen für die „Hilfe zur Pflege“ in zweistelliger Millionenhöhe. Durch monatelange Bewilligungsverfahren in den Sozialämtern und Zahlungsverzug werden Leistungserbringer der Pflege unzumutbaren Risiken ausgesetzt. Bereits jetzt deckt das Pflegeangebot vielerorts kaum noch die Nachfrage.
Der BDWi fordert, dass die Kommunen die Bearbeitung und Auszahlung der „Hilfe zur Pflege“ deutlich beschleunigen.
Schulische Bildung verbessern
Eine gute schulische Bildung bereitzustellen, ist eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Landesregierung. Alle Wahlprogramme enthalten hierzu umfangreiche Vorschläge und zahlreiche Ideen. Obwohl das Land Baden-Württemberg in bundesweiten Bildungsvergleichen in der Regel gut abschneidet, lassen die Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen bei einem Teil der Berufseinsteiger mit Schulabschluss deutlich zu wünschen übrig.
Der BDWi fordert sicherzustellen, dass ein Schulabschluss grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen garantiert.
Organisierte Kriminalität bekämpfen
Organisierte Kriminalität unterminiert das Vertrauen in den Staat. Denn Einnahmen, die dort erzielt werden, fließen auch in den regulären Wirtschaftskreis, zum Beispiel in den Erwerb von Immobilien. Beispiele für organisierte Kriminalität finden sich in vielen Bereichen. Besonders augenfällig ist die Aufstellung illegaler Geldspielgeräte und der Verkauf gefälschter Tabakwaren.
Neben der organisierten Kriminalität nehmen auch Einbruchdelikte und Überfälle auf Betriebe zu. Im Zuge dieser Delikte wird zunehmend Gewalt gegen Beschäftigte angewendet. Branchenspezifische Erhebungen – etwa im Tankstellenbereich – zeigen eine steigende Zahl gezielter Einbrüche und Überfälle auf Betriebsstätten.
Der BDWi fordert illegales Glücksspiel konsequenter zu verfolgen, als das bisher der Fall ist. Gleichzeitig müssen die legalen Glücksspielangebote gestärkt werden. Das heißt, sie müssen attraktiv genug und ausreichend verfügbar sein, damit eine Kanalisierung der Verbrauchernachfrage erfolgreich ist. Darüber hinaus fordert der BDWi eine konsequente Strafverfolgung von Einbruchs- und Überfalldelikten sowie eine personelle Stärkung der Sicherheitsbehörden.
Altersvorsorge richtig fördern
Für eine auskömmliche Altersvorsorge sind mehrere aufeinander abgestimmte Säulen erforderlich, für die eine qualifizierte Beratung notwendig ist. Die anstehende Reform der privaten geförderten Altersvorsorge ist angesichts der demographischen Entwicklung und der absehbaren Finanzierungsprobleme der Rentenkassen daher dringend notwendig.
Der BDWi fordert die neue Landesregierung auf, sich im Bundesrat klar gegen Kostendeckelungen sowie gegen jede Aufweichung der Beratungspflicht bei Altersvorsorge Standardprodukten zu positionieren – im Interesse der Vermittler und zum Schutz der Verbraucher.
