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Mündiger Verbraucher – mehr als ein Reizwort?

28.08.2015

Je mehr Wahlfreiheit und Vielfalt es gibt, desto aufwendiger sind Entscheidungsprozesse für Verbraucher.


Sehr geehrte Leser,

die Debatte um den mündigen Verbraucher ist ein Dauerbrenner. Wenn es nach vzbv-Chef Klaus Müller geht, gibt es den mündigen Verbraucher überhaupt nicht. Der Begriff tauge als Ziel von Verbraucherpolitik aber eben nicht als Zustandsbeschreibung. Das sehe ich nicht so. 

Bereits heute stehen zu nahezu allen Gütern und Dienstleistungen umfassende Informations- und Beratungsangebote zur Verfügung. Diese ermöglichen es den Verbrauchern, Entscheidungen vorab zu überprüfen. Verbraucher haben in den meisten Fällen die Wahlfreiheit zwischen unterschiedlichsten Angeboten. Damit profitieren sie von der Marktwirtschaft. Denn Konkurrenz sorgt fast immer für ein gutes Angebot.

Wahlfreiheit ist aber nicht einfach zu haben. Wenn es verschiedene Ansätze gibt, um ein Problem zu lösen, muss eine Entscheidung getroffen werden. Hier ist der mündige Verbraucher gefragt. Es ist ein Unterschied, ob ein langfristiger Vertrag abgeschlossen werden soll, der jahrzehntelang gültig sein wird, oder ob nur ein Schokoriegel gegen den schnellen Hunger gekauft wird. Beim langfristigen Vertrag muss der Verbraucher mehr investieren, um die für ihn beste Entscheidung zu treffen. In der Praxis investiert er seine Zeit und bei Bedarf Geld für Beratungs- und Vermittlungsleistungen.

Je mehr Wahlfreiheit und Vielfalt es gibt, desto aufwendiger sind Entscheidungsprozesse für Verbraucher. Gibt es hier einen Zielkonflikt zur Transparenz? Voraussetzung für Transparenz sind geeignete Kriterien, um Güter und Dienstleistungen vergleichbar zu machen. Das dominante Kriterium ist oft der Preis. Ein reiner Preiswettbewerb bevorzugt jedoch große Anbieter, die auf Grund ihrer vielen Kunden geringere Transaktionskosten haben. Bessere Beratungsqualität und Erreichbarkeit für die Kunden lässt sich viel schwerer darstellen. 

Im schlimmsten Fall führen umfassende Transparenzbestimmungen und Regulierungen der Anbieter dazu, dass Vielfalt im Markt verloren geht. Ein warnendes Beispiel ist der Versicherungsmarkt für Privatkunden in Großbritannien. 

Mit freundlichen Grüßen

Michael H. Heinz

Präsident des BDWi


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