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Lohntransparenz / wissen was die Kollegen verdienen – eine gute Idee?

01.11.2016

Es gibt Spielraum, höhere Einkommen für Frauen zu ermöglichen, aber sicherlich nicht mit dem vorliegenden Gesetz.


Sehr geehrte Leser,

nachdem sich der Koalitionsausschuss auf eine gemeinsame Marschroute beim Thema „Entgeltgleichheit“ geeinigt hat, kommt nun ein angepasster Referentenentwurf in die Abstimmung. Anfang Dezember soll der Entwurf ins Kabinett und dann muss sich der Bundestag sputen, schließlich soll das Gesetz zum ersten Juli 2017 in Kraft treten.

Geplant ist, dass Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern, sofern sie nicht tarifgebunden sind, verpflichtet werden sollen, auf Anfrage Auskunft über eine mögliche unterschiedliche Entlohnung zu erteilen. Es wird aber nicht so sein, dass das Gehalt von einem x-beliebigen Kollegen bekannt gegeben werden muss, vielmehr soll der Median der Gehälter von mehreren Kollegen aus einem vergleichbaren Tätigkeitsbereich erstellt werden. Das ist kompliziert. Für den Betriebsfrieden ist es dennoch eine salomonische Entscheidung. Der Preis dafür ist deutlich mehr Bürokratie für die betroffenen Unternehmen. Kaum etwas ist im Mittelstand weniger willkommen als zusätzliche Bürokratie.

Auf Grund der Grenze von 200 Beschäftigten sind viele Unternehmen überhaupt nicht von dem Gesetzesvorschlag betroffen. Dennoch ist bei vielen Mittelständlern die Empörung groß. Niemand mag sich den Schuh anziehen, er würde Mitarbeiter bei der Entlohnung diskriminieren. Genau das ist aber Hintergrund und Begründung des vorliegenden Gesetzesvorschlags. 

Wer auf die Zahlen schaut, wird zu einer ähnlichen Einschätzung gelangen. Es stimmt, der Gender Pay Gap der regelmäßig als Begründung herangeführt wird, beträgt 21 Prozent. Diese Lohnlücke schmilzt jedoch auf sieben Prozent zusammen, wenn unter anderem berücksichtigt wird, dass Frauen öfter einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, sich überproportional oft für Branchen entscheiden, in denen schlecht bezahlt wird und seltener in Führungspositionen arbeiten. Einige Studien gehen sogar nur von einer Lohnlücke in Höhe von drei Prozent aus. Es gibt Spielraum, höhere Einkommen für Frauen zu ermöglichen, aber sicherlich nicht mit dem vorliegenden Gesetz.

Mit freundlichen Grüßen

Michael H. Heinz

Präsident des BDWi


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