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Zeitarbeit 2010 – langfristige Perspektiven oder kurzfristige Stimmungen?

28.01.2010

Der Fall Schlecker hat viel Empörung hervorgerufen. Der Druck auf die Bundesregierung wächst, unverzüglich eine Lösung zu präsentieren.


Ist das Thema doch zur Mobilisierung im Lager des politischen Gegners sehr gut geeignet. Dieses gilt es, in Hinblick auf die anstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Wird doch in NRW über die Bundesratsmehrheit und damit über die Gestaltungshoheit für den Rest der Legislaturperiode entschieden.

Reguläre Beschäftigung Zeitarbeit

Von vielen Kritikern der Zeitarbeit wird übersehen, dass es sich bei Beschäftigung in Zeitarbeit um reguläre Beschäftigungsverhältnisse handelt. Arbeitsrechtlich – auch in Hinblick auf den Kündigungsschutz –  sind Beschäftigte von Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland nicht schlechter gestellt als Stammbelegschaften. Einstufungen von Zeitarbeit als prekär oder irregulär, wie sie u. a. von der OECD vorgenommen werden, sind nicht haltbar.

Beschäftigungsanteil von Zeitarbeit

Die Anzahl der in Zeitarbeit beschäftigten Arbeitnehmer ist in Folge der Wirtschaftskrise in Deutschland vom August 2008 bis zum Mai 2009 von 800.000 auf 500.000 gesunken. Allerdings ist die Anzahl bis Ende bereits wieder auf 600.000 angestiegen. Die Mehrzahl der Zeitarbeitnehmer war zuvor arbeitslos. Anhand dieser Zahlen wird die Stärke der Zeitarbeit deutlich. Auch wenn die Entwicklung der Konjunktur für viele Branchen immer noch schwer einzuschätzen ist, besteht die Bereitschaft von Unternehmen über den Umweg der Zeitarbeit Beschäftigung aufzubauen. Damit leistet die Zeitarbeit einen wichtigen flankierenden Beitrag in Aufschwungphasen. Einerseits wird die Binnennachfrage durch zusätzliche Einkommen gestärkt, auf der anderen Seite steigen die Beitragseinnahmen der Sozialversicherungen. Dadurch werden die Sozialversicherungsbeiträge und der Konsum stabilisiert.

In Deutschland sind nur 1,4 Prozent aller Erwerbstätigen in Zeitarbeit beschäftigt. Eine massive Verdrängung von Stammbelegschaften durch Zeitarbeitnehmer ist somit rein rechnerisch ausgeschlossen.

Klebe- und Integrationseffekt

Entgegen der Interessen der Zeitarbeitsunternehmen nutzen viele Arbeitnehmer die Zeitarbeit als Sprungbrett. Laut einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) werden 25 Prozent der Arbeitnehmer von den Einsatzbetrieben abgeworben (Klebeeffekt). Weitere 20 Prozent finden auf Grund der neu erworbenen Fähigkeiten eine Beschäftigungsmöglichkeit in einem anderen Unternehmen (Integration).

Bessere Rahmenbedingungen

Anstatt die Zeitarbeit erneut zu regulieren und einzuschränken, sollte das Potential der Zeitarbeitsunternehmen zur Stärkung des deutschen Arbeitsmarktes noch besser genutzt werden. Dafür wäre es erforderlich, Zeitarbeit in allen Wirtschaftsbereichen zuzulassen. Das gilt insbesondere für die Baubranche.    

Vor dem Hintergrund der anstehenden Öffnung der europäischen Arbeitsmärkte ist eine Aufnahme der Zeitarbeit in das Arbeitnehmerentsendegesetz zwingend erforderlich. Ansonsten droht eine Aushöhlung deutscher Lohn- und Sozialstandards durch Unternehmen aus dem Ausland.

Zukunft Zeitarbeit

Während das Image der Zeitarbeit in den Anfangsjahren stark durch die Vermittlung von gering qualifizierten Arbeitskräften geprägt war, rückt die Nachfrage nach gut qualifizierten Arbeitskräften immer stärker in den Vordergrund, Das gilt für Akademiker und gut ausgebildete Facharbeiter. Der demographische Wandel wird diesen Trend in den nächsten Jahren verstärken. Letztendlich werden die Zeitarbeitsunternehmen erfolgreich sein, die ihren Mitarbeitern die besten Entwicklungschancen bieten können.

 


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