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Brexit – was ändert sich für die deutsche Dienstleistungswirtschaft?

19.01.2021

Seit dem 1. Januar ist Großbritannien (GB) nicht mehr Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.


Damit steigt der Aufwand für Dienstleister aus Deutschland, in Großbritannien Geschäfte zu machen. Wenn eine Tochtergesellschaft in GB registriert ist, ist dieses aber auch weiterhin möglich. Zudem ist vereinbart, dass auch weiterhin gleichwertige Standards anerkannt werden sollen und damit wirtschaftliche Betätigung ermöglicht werden soll.

Mehr Bürokratie und die Folgen

All das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass grenzüberschreitende Dienstleistungen zwischen Deutschland und GB nun viel bürokratiebelasteter sind, als dieses bei wirtschaftlicher Betätigung innerhalb der EU der Fall ist. Das gilt auch für Zweigstellen. Bereits im letzten Jahr hat der Effekt dazu geführt, dass Zweigstellen deutscher mittelständischer Dienstleister in GB geschlossen worden sind. Für große Unternehmen, die eigene Gesellschaften in GB aufgesetzt haben, sind die Brexit-Folgen besser beherrschbar.

Berufsqualifikationen und Standards

Berufsabschlüsse werden nicht länger gegenseitig anerkannt. Damit ist die Erbringung von Dienstleistungen, die diese voraussetzen, nicht länger möglich. Geplant sind aber Entscheidungen von Fall zu Fall. Anders verhält es sich bei Arbeitseinsätzen, für die kein formaler Berufsabschluss vorgeschrieben ist. Diese Einsätze sind weiterhin möglich. Das Handling wird komplizierter.

Datenverarbeitung

Für die Datenverarbeitung gilt eine Übergangsfrist. Diese kann bis zum 30. Juni verlängert werden. „Die britische Regierung strebt derzeit den Erlass eines Angemessenheitsbeschlusses durch die Europäische Kommission gem. Art. 45 DSGVO an, in dem das Vereinigte Königreich als „sicheres Drittland“ eingestuft und die Gewährleistung eines angemessenen Datenschutzniveaus offiziell festgestellt wird.“ Das schreibt Rechtsanwalt Michael Voss hier.

Große Unternehmen und wirtschaftliche Zusammenarbeit

Nur Fluggesellschaften, die mehrheitlich in EU-europäischer Hand sind, dürfen innereuropäische Flüge anbieten. Es steht zwar eine Herabsetzung dieser Schwelle zur Disposition, dennoch versuchen easyjet und Ryan Air mit geeigneten Maßnahmen, die Anzahl ihrer EU-europäischen Eigentümer zu erhöhen. Für Versicherungsmakler war es in der Vergangenheit gang und gäbe, unternehmensbezogene Risiken in GB zu versichern. Das ist noch übergangsweise möglich. Aber auch dafür ist in Zukunft ein einschlägiges Abkommen erforderlich.

Fazit

Grundsätzlich wäre es für die deutsche Dienstleistungswirtschaft wünschenswert, dass grenzüberschreitende Dienstleistungen mit GB auch in Zukunft möglich sind. Im besten Fall gibt es auch eine Einigung zur gegenseitigen Anerkennung von beruflichen Qualifikationen. Politisch wird dafür entscheidend sein, dass sich die Regulierung in beiden Wirtschaftsräumen nicht gravierend voneinander entfernt. Denn bei offensichtlichen Wettbewerbsverzerrungen gibt es keinen Spielraum für Kooperation.       


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