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Praxisbeispiel – berufliche Weiterbildung Geringqualifizierter in der Zeitarbeit

12.02.2018

In Zeiten von Fachkräfteengpässen in Teilen des deutschen Arbeitsmarktes gewinnt Qualifizierung, als Möglichkeit den Fachkräftebedarf zu decken, an Bedeutung.


Qualifizierung lohnt sich aber auch für die Betroffenen. Geringe oder fehlende Qualifikation ist mit einem erheblichen Armutsrisiko verbunden. Ein beruflicher und finanzieller Aufstieg gelingt am besten mit der Aneignung einer beruflichen Qualifikation. 

Warum in Zeitarbeit?

Zeitarbeit bietet reguläre Arbeitsplätze, die vollständig dem deutschen Arbeitsrecht unterliegen. Darunter befinden sich im Vergleich zum Gesamtarbeitsmarkt überproportional häufig Vollzeitstellen. Die Bezahlung erfolgt dabei fast ausschließlich nach Tarifverträgen mit den DGB-Gewerkschaften.

Zeitarbeitnehmer zeigen einige Besonderheiten. Ungewöhnliche Bildungsbiographien, nicht selten geprägt durch negative Lernerfahrungen und daraus resultierender Prüfungsangst, sind bei ihnen häufiger anzutreffen. Mindestens rund 24 Prozent der Zeitarbeitskräfte haben keine abgeschlossene Berufsausbildung und gelten damit als geringqualifiziert. Mehr als zwei Drittel der Zeitarbeitskräfte kommen aus Arbeitslosigkeit und Nichtbeschäftigung. 

Viele dieser Mitarbeiter, aber auch die Eigenheiten der Zeitarbeitsbranche, passen nicht in das Schema »traditioneller« Bildungsangebote von Bildungsträgern. Es gibt also bei den Zeitarbeitskräften großes Potenzial und in der Branche einen großen Bedarf bei schwierigen Voraussetzungen.

3-Stufen-Modell des BAP  

Um den Anforderungen der Qualifizierung von Zeitarbeitnehmern gerecht zu werden, hat der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) ein Qualifizierungsmodell entwickelt.

Dieses Modell setzt bei den umfangreichen praktischen Erfahrungen an, die Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer in ihren Einsätzen sammeln, und reichert diese mit theoretischem Wissen an. Der Aufbau in drei Stufen kommt dabei den vielfältigen Erfahrungshorizonten der potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer entgegen. Das Modell ermöglicht es Zeitarbeitskräften, in Etappen einen anerkannten Berufsabschluss nachzuholen.

Nach jeder erfolgreich absolvierten Stufe erhalten die teilnehmenden Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer ein Zertifikat einer anerkannten Prüforganisation (Stufe eins und zwei schriftliche sowie mündliche Prüfung und Personenzertifizierung durch den TÜV Rheinland). Somit wird bereits ab der ersten Stufe der Kompetenz- und Wissenszuwachs dokumentiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen dadurch ein Zertifikat, auch wenn sie die – aus welchen Gründen auch immer – nächsthöhere Stufe nicht abschließen. Das 3-Stufen-Modell des BAP ermöglicht also auch eine Qualifizierung unterhalb der Berufsausbildung.

Ziel ist allerdings die Erlangung eines anerkannten Berufsabschlusses mit dem Bestehen der dritten Stufe. Die Abschlussprüfung wird dabei von einer Industrie- und Handelskammer oder einer Handwerkskammer als sogenannte Externenprüfung durchgeführt. Durch den mehrstufigen Aufbau wird gleichzeitig ein behutsames und damit niedrigschwelliges Heranführen von Personen mit negativen Lernerfahrungen an eine Berufsausbildung möglich. Selbst bei Nichtbestehen der zweiten oder dritten Stufe steht eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer nicht ohne Nachweis da.

Um die theoretischen Inhalte zu vermitteln, hat der BAP eigens die eLearning-Plattform ZetQ (www.ZetQ.de) für Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer entwickelt. Mit deren Hilfe können Zeitarbeitskräfte einfach orts- und zeitunabhängig auf die Lerninhalte zugreifen und sich so neben den im Job erworbenen Fertigkeiten auch das theoretische Wissen aneignen. Personaldienstleister können mit der eLearning-Plattform die Lernprozesse ihrer Zeitarbeitskräfte begleiten und Lernfortschritte kontrollieren.


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