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BDWi-Podium: Fachkräftemangel, Flüchtlinge und Weiterbildung

04.11.2015

BDWi-Vertreter diskutierten mit den MdBs Staatssekretärin Iris Gleicke, Jutta Eckenbach, Dr. Thomas Gambke und Stefan Liebich.


Von links: Stefan Liebich MdB, Carsten Henselek (Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau BGL), Jutta Eckenbach MdB, Wilhelm Oberste-Beulmann (Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister BAP), Staatssekretärin Iris Gleicke MdB, BDWi-Bundesgeschäftsführer Ralf-Michael Löttgen, Dr. Thomas Gambke MdB, Bernd Meurer (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste bpa)

Am 4. November diskutierten Staatssekretärin Iris Gleicke MdB, Jutta Eckenbach MdB, Dr. Thomas Gambke MdB, Stefan Liebich MdB, Carsten Henselek (Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau BGL), Bernd Meurer (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste bpa) und Wilhelm Oberste-Beulmann (Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister BAP) im Rahmen der BDWi-Veranstaltung „Anreize setzen – Aus- und Weiterbildung stärken – Flüchtlinge integrieren“ über Fachkräftemangel, Flüchtlinge und Weiterbildung. Begrüßt hat BDWi-Präsident Michael H. Heinz. Die Moderation übernahm BDWi-Bundesgeschäftsführer Ralf-Michael Löttgen.

Inländer und Ausländer

Geeigneten Flüchtlingen möglichst schnell den Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnen und gleichzeitig das Engagement bei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Inländer aufrecht zu erhalten, forderte BDWi-Präsident Michael H. Heinz. In Anbetracht des angeheizten politischen Klimas sei es ratsam, kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen, und den Eindruck zu vermeiden, dass Flüchtlinge bevorzugt behandelt werden. Dieser Forderung stimmte Gleicke in ihrer Auftaktrede zu. Sie wurde auch von den anderen Teilnehmern der Podiumsdiskussion geteilt. 

Flüchtlinge als Fachkräfte

Iris Gleicke, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und für Mittelstand und Tourismus, wies darauf hin, dass die Aufnahme von Flüchtlingen erst einmal eine humanitäre und rechtliche Verpflichtung sei. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels seien die Flüchtlinge eine Chance für Deutschland, auch wenn für die Integration erhebliche Investitionen erforderlich seien. Es kämen eben nicht nur gut ausgebildete Fachkräfte, sondern auch viele Analphabeten. Besonders wichtig sei das schnelle Erlernen der deutschen Sprache. Auf den Einwand Henseleks, dass kleine Unternehmen besonders viel Unterstützung bei der Integration benötigen, wies Gleicke auf die insgesamt 100 Willkommenslotsen hin, die für diese Aufgabe eingesetzt werden.

Besonders wichtig für eine erfolgreiche Integration sei das Erlernen der deutschen Sprache erklärte Jutta Eckenbach, Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für das Asylbewerberleistungsgesetz. In Hinblick auf eine erfolgreiche Integration einer sehr großen Anzahl von Asylbewerbern seien alle Beteiligten zurzeit Lernende. Stefan Liebich, Obmann der Fraktion „Die Linke“ im Auswärtigen Ausschuss, kritisierte die Verschärfung des Asylrechts. Die Verlängerung des Aufenthalts in Erstaufnahmeeinrichtungen und die Residenzpflicht erschwere die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiter der Jobcenter müssten stärker in den Erstaufnahmeeinrichtungen aktiv werden. Alleine um die Funktionstüchtigkeit der sozialen Sicherungssysteme vor dem Hintergrund des demographischen Wandels weiter sicherzustellen, sei Zuwanderung notwendig, erklärte Dr. Thomas Gambke, Mittelstandsbeauftragter der grünen Bundestagsfraktion. Erfolgreiche Gesellschaften werden in Zukunft an ihrer Fähigkeit zur Integration gemessen. Gambke und Liebich forderten die 15-monatige Vorrangprüfung und das 3-monatige Arbeitsverbot auszusetzen. Der Wettbewerb um Arbeit werde zunehmen. Das gelte auch für den Wettbewerb der Unternehmen um die besten Mitarbeiter. Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass für Asylbewerber in betrieblicher Ausbildung ein sicherer Aufenthaltsstatus erforderlich ist.      

Altenpflege

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und Vizepräsident beim BDWi, wies darauf hin, das aktuell 50.000 Fachkräfte in der Altenpflege fehlen und dass die Zahl weiter ansteigen werde. Die Branche hätte in den letzten Jahren tausende zusätzliche Ausbildungsplätze zur Bekämpfung des Fachkräftemangels geschaffen. Damit sei man im Grunde genommen auf einem guten Weg. Allerdings drohe die Altenpflege bei der Einführung einer generalistischen Ausbildung für alle Pflegeberufe unter die Räder zu kommen. Ein Einsatz im hochtechnisierten Operationssaal auf der einen Seite oder in einer Pflegeeinrichtung auf der anderen Seite erfordern ganz unterschiedliche Qualifikationen. Ein gemeinsamer Beruf werde den Betroffenen nicht gerecht. Gleicke versprach, das zu überprüfen. Ein grundlegendes Problem der Branche seien aber die Löhne und die Arbeitsbedingungen. Meurer entgegnete, dass Zahlungen der Kommunen die Grundlage für die Entlohnung der Mitarbeiter darstellen. Damit seien den Betreibern der Pflegereinrichtungen Grenzen gesetzt.   

In Hinblick auf die Integration der Flüchtlinge wies Meurer darauf hin, dass er dem Bundesarbeitsministerium bereits 3.000 zusätzliche Ausbildungsplätze für Flüchtlinge in der Pflege angeboten habe. Ein Problem bei der Integration in Berufe der Altenpflege seien die Anforderungen an die Fachkräfte in Hinblick auf die deutsche Sprache. Der bpa spreche sich für einen Berufseinstieg mit dem Sprachniveau b1 aus. Dann sollen die Fachkräfte während der Beschäftigung ihre Sprachkenntnisse auf das Niveau b2 verbessern.    

Garten- und Landschaftsbau

Im Garten- und Landschaftsbau ist der Fachkräftemangel noch kein flächendeckendes, sondern vielmehr ein regionales Problem. Die Branche ist aber auf den demographischen Wandel vorbereitet, schließlich sei der Anteil der qualifizierten Mitarbeiter mit 70 Prozent sehr hoch, erklärte Carsten Henselek Vizepräsident beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und beim BDWi. So unterhalte die Branche unter anderem mit Partnern das Ausbildungsförderwerk AuGaLa, um nicht nur Weiterbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter zu organisieren, sondern auch für den eigenen Ausbildungsberuf zu werben. Dieser sei anspruchsvoll, einfach weil auch die Tätigkeit anspruchsvoll sei. Die Branche biete aber einen stufenweisen Berufseinstieg für Bewerber die den Anforderungen des Ausbildungsberufes nicht gewachsen seien, erläuterte Henselek auf den Einwand von Eckenbach, dass die Wirtschaft schwächeren Bewerbern nicht genug Chancen eröffne. Der BGL fordere für die Regionen Deutschlands, in denen es trotz des Engagements der Branche an Fachkräften fehle, eine Anerkennung als regionaler Mangelberuf. Gleicke sprach sich dafür aus, bei Mangelberufen stärker auf regionale Unterschiede zu schauen.  

Zeitarbeit

Wilhelm Oberste-Beulmann, Vizepräsident beim Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und beim BDWi, wies darauf hin, dass auch den Zeitarbeitsunternehmen in vielen Regionen Deutschlands Fachkräfte und selbst qualifizierte Helfer fehlen würden. Dabei leiste die Branche einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung und Weiterbildung, weil die Mehrzahl der Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit kämen. Mehr als 500 unterschiedliche Weiterbildungsmaßnahmen werden hierzu von der Branche angeboten. Auch wenn die Mitarbeiter nach der Weiterbildung durch das Zeitarbeitsunternehmen oft im Entsendebetrieb übernommen werden, sind sie im Anschluss gute Botschafter in den Kundenunternehmen. In Hinblick auf die Integration von Flüchtlingen kritisierte Oberste-Beulmann, dass eine Beschäftigung in Zeitarbeit erst nach 15 Monaten möglich sei. Dabei könne Zeitarbeit auch für Flüchtlinge eine Brücke in den Arbeitsmarkt sein.

Mindestlohn

Beim Thema Mindestlohn waren sich Politiker und Verbandsvertreter einig. Die Politiker sprachen sich dafür aus, den Mindestlohn auch für Flüchtlinge beizubehalten. Die Verbandsvertreter machten deutlich, dass in den Branchen: Altenpflege, Garten- und Landschaftsbau und Zeitarbeit der Mindestlohn nicht zur Disposition stehe. Kritisch wurden die Kontrollen durch den Zoll gesehen, seit dem mehrere bewaffnete Beamte die Betriebe während der Geschäftszeiten im Beisein der verunsicherten Kunden überprüfen.  

Fazit

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass der Dialog zwischen der Politik und Praktikern aus der Wirtschaft einen wichtigen Beitrag für einen funktionstüchtigen Arbeitsmarkt leistet. Darum wurde vereinbart, den Dialog fortzusetzten.     


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