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BDWi-Meinungsaustausch mit Raimund Becker – Vorstand der Bundesagentur für Arbeit

28.02.2018

Die Teilnehmer diskutierten über die aktuelle Arbeitsmarktpolitik.


Im Gespräch mit Raimund Becker (2.v.l.)

Vertreter der Mitgliedsverbände des Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) trafen am 20. Februar zu einem Meinungsaustausch mit Raimund Becker zusammen. Becker ist Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Das Gespräch wurde von Ralf-Michael Löttgen, Bundesgeschäftsführer des BDWi, moderiert. 

In den letzten Jahren sei die Arbeitslosigkeit in Deutschland zurückgegangen und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestiegen, erläuterte Becker. Die Zunahme erkläre sich aus dem Rückgang der stillen Reserve und durch Zuwanderung aus der Europäischen Gemeinschaft. Für die nächsten Jahre seien Demographie, Digitalisierung und Diversity die maßgeblichen Einflussfaktoren des Arbeitsmarktes. Die große Aufgabe der BA sei jetzt die Fachkräftesicherung. Dabei gibt es mehrere große Hebel. Dazu gehöre ein besserer Übergang von der Schule in den Beruf und auch eine frühzeitige Berufsorientierung mit einem konkreten Praxisbezug in Unternehmen. Hinzu kämen noch Möglichkeiten bei besonderen Zielgruppen mit speziellen Anforderungen, zum Beispiel in der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren. Generell ist es sehr wichtig Menschen für Weiterbildung zu begeistern.    

Zuwanderung

Becker ging auch auf das Thema Flüchtlinge ein. Während die innereuropäische Zuwanderung wieder zurückgehen werde, stehe die Gesellschaft vor der großen Herausforderung, die Menschen, die aus humanitären Gründen zugewandert seien, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Hier gibt es sicherlich ein großes Potential um Fachkräfte auszubilden aber auch erhebliche Probleme, zum Beispiel bei der Erwerbstätigkeit von Frauen, die ist in der Herkunftskultur oft unter ausgeprägt. Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), wies darauf hin, dass Personaldienstleister den größten Anteil an der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten haben. Mehr als jede vierte Beschäftigungsaufnahme von Arbeitslosen aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern erfolge in die Zeitarbeit.  Das sei deutlich mehr als in jeder anderen Branche. Das bestätigte Becker, die Zeitarbeitsunternehmen hätten das Thema angegangen. Sie beschäftigen rund 15.000 Flüchtlinge. Auch viele kleine und mittlere Dienstleister aus anderen Branchen hätten Flüchtlinge eingestellt. Die meisten Flüchtlinge würden lieber sofort arbeiten, anstatt eine Ausbildung zu absolvieren. Sie müssten ihre Familien in den Heimatländern unterstützen und häufig auch noch Schlepper bezahlen. Es sei sehr schwierig, Flüchtlingen die berufliche Ausbildung näher zu bringen, weil sie diese nicht kennen und in Ausbildung auch erst einmal deutlich weniger Geld verdienen. Das werde sich aber bei den Jüngeren auf Grund der weitergehenden Berufsorientierung und Informationen über die  Integrationskurse ändern. Auch für die gesellschaftliche Integration ist es wichtig  Flüchtlinge möglichst schnell in Arbeit zu bringen. Das kann gelingen, da die meisten Geflüchteten noch eine hohe intrinsische Motivation haben.

In der Wirtschaft ist das Interesse groß, Flüchtlinge als Auszubildende zu gewinnen, machte Erwin Koschembar, Ausbildungsbeauftragter des Dachverbandes „Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V.“, deutlich. Frank Schimmel, Vorsitzender des Fachausschuss Ausbildung des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW), kritisierte, dass es häufig schwierig sei, Ausbildung und Sprachkurse sinnvoll miteinander zu verzahnen. Wilhelm Oberste-Beulmann, Vizepräsident beim BAP und beim BDWi, unterstrich diesen Punkt. 

Ausbildung

Simone Storch, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Automatenunternehmer (BA) führte aus, dass das Thema Fachkräftemangel auch in der Automatenbranche angekommen ist. Die Automatenwirtschaft unternimmt intensive Bemühungen, den automatenspezifischen Ausbildungsberuf, der in diesem Jahr zehn Jahre existiert, für potenzielle Bewerber attraktiv zu machen. Insbesondere für kleine Unternehmen sei die Gewinnung von Auszubildenden schwierig, zumal nach einer erfolgreichen Ausbildung andere Branchen den Automatenfachmann gerne übernehmen. Koschembar ergänzte, dass die berufsvorbereitenden Maßnahmen ein erfolgreicher Weg – auch für kleinere Unternehmen – seien. Oberste-Beulmann sprach das Thema modulare Ausbildung an und verwies in diesem Zusammenhang auf das 3-Stufen-Modell des BAP, mit dem Zeitarbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung in Etappen berufsbegleitend an einen anerkannten Berufsabschluss  herangeführt würden.

Weiterbildung

Sehr erfolgreich für die Weiterbildung von älteren Mitarbeitern sei das Projekt Wegebau der Bundesagentur für Arbeit, erklärte Becker. Dem stimmten die Teilnehmer zu. 

Sicherheitswirtschaft

Schimmel wies darauf hin, dass in der Jobbörse der BA oft nicht die in der Sicherheitswirtschaft üblichen Begriffe wie Empfang oder öffentlicher Nahverkehr verwendet würden. Das mache es für Mitarbeiter und Unternehmen schwer, zueinander zu finden. Ein weiteres Problem sei die Zuverlässigkeitsüberprüfung bei zukünftigen Mitarbeitern, die eine Sachkundeprüfung absolvieren. Ohne eine erfolgreiche Zuverlässigkeitsüberprüfung ist eine Beschäftigung in der Sicherheitswirtschaft nicht möglich. Wenn nicht bereits vor Beginn eines durch die BA geförderten Lehrganges zur Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung eine Zuverlässigkeitsüberprüfung erfolge, könne es vorkommen, dass ein Mitarbeiter auch mit bestandener Sachkundeprüfung überhaupt nicht in der Sicherheitswirtschaft arbeiten dürfe. Er bat Herrn Becker zu prüfen, ob nicht die BA eine Zuverlässigkeitsprüfung veranlassen könne. Becker nahm die beiden Aspekte zur Kenntnis.    

Wie geht es weiter?

Die Teilnehmer bedankten sich bei Becker für das Gespräch. Es wurde vereinbart, den Dialog fortzusetzen.


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